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Meine Jugend
Wenn ich heute über mein Leben nachdenke, dann fallen mir einige Sachen ein, denen ich nie so richtig meine Aufmerksamkeit gewidmet habe oder mir
überlegt hab, warum das so war: Bereits von Jugend an hatte ich immer jüngere Freunde. Das hat sich eigentlich bis heute nicht geändert. Es waren aus meiner Sicht immer Jungs, die sympatisch und schlank waren.
Ich sage bewusst nicht hübsch oder schön, sondern ich lege den Begriff “sympatisch” als ein Eindruck des Zusammenspiels von Geist und Körper aus. Ich versuchte immer, mich mit diesen Jungs anzufreunden. Oft
klappte das auch und ich war schon froh, wenn ich nur in ihrer Nähe sein konnte. Das gab mir das gutes Gefühl: Ich habe einen Freund. Damals war die Sexualität kein Theama für mich, Sexualität war ja etwas, wozu man
Mädels brauchte. Natürlich war auch dieser Wunsch da, eine Freundin zu haben und es gab auch schon in der Schule ein paar nette, die ich begehrte. Richtige Beziehungen kamen allerdings nie zustande.
Sex spielt natürlich bei jedem Menschen irgendeine eine Rolle. Leider sprachen die Eltern nicht darüber, wie das wohl bei vielen anderen auch
der Fall war. Zu dieser Zeit war Sex einfach noch ein Tabu-Thema, zumindest in unserer Familie. Aufklärung? Was ist das? Was ich mitbekommen habe, stammt fast nur von Klassenkameraden oder aus Zeitschriften.
Ich kam in die Pubertät und muss sagen, diese Zeit ist wohl ziemlich normal für mich vergangen. Wie so viele Jungs machte auch ich ein paar Erfahrungen. Auch wollte es die Neugierde, dass ich mit einem anderen Jungen sexuelle Erlebnisse hatte. Aber das zähle ich sicherlich nicht als Ursache meiner jetzigen Gefühle.
Der Beruf
100 Kilometer weit weg von zu Hause erlernte ich meinen ersten Beruf. Mit einem weiteren Lehrling, wie man uns damals nannte, teilte ich dort ein
Zimmer im Haus. Es war nicht besonders groß aber es war auszuhalten. In dieser Zeit ereignete sich nichts gravierendes. Wenn man zu zweit in einem Zimmer schläft, dann bekommt man auch ab und zu das
Gefühlsleben des Anderen mit. Mich hat es immer sehr erregt, wenn ich bemerkte, dass da drüben aus dem Bett gleichmäßige Geräusche kamen. Aber auch das empfinde ich bis heute als normal.
Immer war ich auf der Suche nach Freunden, was mir auch recht oft gelang, Mädels waren meistens irgendwie Mangelware dort. Und wenn mir mal
eine gefiel, dann hatte sie bestimmt schon jemanden oder ich hatte keinen Erfolg. Dann kam endlich der Zeitpunkt, an dem ich den Führerschein machen konnte. Meine Eltern spendierten mir das erste Auto. Von da ab
hatte ich mehr von meiner Freizeit - ich war mobil und konnte hin, wo ich wollte. Natürlich war ich neugierig auf Sex, bis ich irgendwann entschied: Jetzt muss es sein, ich fuhr nach Hamburg und bezahlte dafür.
Meine Neugier war gestillt, ich war um 50 DM ärmer, aber befriedigt hatte mich das nicht wirklich. Enttäuscht fuhr ich wieder nach Hause. Das musste ich nicht nochmal haben.
Eine relativ “normale” Zeit verging dann bis 1972. Ich wechselte den Arbeitsplatz und ging nach München. Das waren zum Leidwesen meiner
Eltern 750 Kilometer. Dort fand ich auch schnell Kontakt zu einem Arbeitskollegen mit dem ich mich anfreundete und bei ihm zu Hause aus und ein ging. Wir bauten eine Freundschaft auf und unternahmen viel
zusammen. Von sexuellen Gefühlen zu ihm war nie die Rede. Er war einfach ein Freund. Was für mich ein “Freund” bedeutet, darauf möchte ich später eingehen. Er wohnte noch bei seinen Eltern und hier feierte ich
zum Erstenmal das Weihnachtsfest ohne meine Eltern.
In dieser Zeit hatte ich auch meine erste Freundin. Zumindest bezeichne ich es so, weil sie die erste war, mit der ich ins Bett ging. Sie arbeitet
in dem gleichen Betrieb wie ich, wechselte dann aber bald ihre Arbeit und wir verloren uns aus den Augen.
Die Überlegung, wie wir der Wehrpflicht enkommen könnten führte
uns zu einen Beruf, bei dem man davon befreit ist. Allerdings überlegte sich mein Kollege es sich anders, so dass ich allein meinen Beruf wechstelte und am 01.02.1972 nach Würzburg ging und dort eine Ausbildung begann, in der ich mit weiteren ca. 100 jungen Leuten zusammen war. In einem Zimmer waren 8 Mann untergebracht. Mädels gab es in diesem Beruf noch nicht. So war ich unter Leuten, die ich mochte. Auch von den eigenen Zimmerkollegen war einer, der mir sympatisch war und mit dem ich mich anfreundete. Allerdings suchte ich mir auch hier wieder einen Freund aus, der jünger war als ich und sein Elternhaus war auch für mich eine Zeitlang ein Zuhause. Auch hier war es “nur” eine Freundschaft. Er hatte eine Freundin aber ich war froh, jemanden zu haben, bei dem ich meine Wochenendfreizeit verbringen konnte. Später hatte ich noch weitere Freundschaften. Ich konnte aufgrund der Entfernung zum Elternhaus höchstens einmal im Monat dorthin fahren. Der Verdienst ließ nicht mehr zu.
Fast alle Freundschaften gingen auseinander, weil der Freund eine Freundin kennenlernte und natürlich für sie die Zeit brauchte, die sonst
für uns zur Verfügung stand. Das sah ich ja auch ein, aber es war schmerzhaft, dann auf einmal das 5.Rad am Wagen zu sein. Ich suchte mir wieder jemanden, zu dem ich mehr Kontakt haben konnte. In dieser Zeit
schaffte ich es auch, ab und zu mal eine Freundin zu haben und meine Erfahrungen zu erweitern.
Nach Ende der Ausbildung wurde ich selbst zum Ausbilder und hatte eine Gruppe mit ca. 9 jungen Männern zu führen und zu betreuen. Sie waren
natürlich jünger als ich und mit den sympatischen Jungs gings auch mal in die Stadt, wir unternahmen auch am Wochenende etwas zusammen, weil hier auch welche dabei waren, die nicht jedes Wochenende nach Hause fahren
konnten. Sie waren über ganz Bayern verstreut. Einen hatte ich besonders gern, er übernachtete auch bei mir, wenn wir zu viel getrunken hatten oder wir uns mal wieder in der Zeit vertan hatten. Aber nie kamen
hierbei sexuelle Wünsche auf.
Ich glaub, während der Zeit seit meiner neu begonnenen Ausbildung war ich mehr der Voyeur-Typ. Ich wollte immer, auch heute noch, sympatische Jungs
nackt sehen und ihren Körper bewundern. Der schöner Körper eines jungen Mannes ist für mich etwas Einzigartiges. Dazu hatte ich während der Ausbildung und auch später viel Gelegenheit, weil nach dem Sport oder beim Schwimmen die gemeinsame Dusche angesagt war.
1979 verschlug mich mein Beruf nach Dachau bei München. Hier gings mir auch gut, weil auch hier Jungs waren. In einem Alter, von dem ich heute
sage, es ist “mein” Alter. Ich habe mit der Zeit festgestellt, dass mir Jungs gefallen, die
im Durchschnitt so ca. 18 bis 25 alt sind. Die hatte ich hier zu Genüge. Viele von ihnen waren sportlich und gut gebaut. Aber so eine intensive Freundschaft, wie ich sie schon früher hatte, kam nicht mehr auf. Die meisten Jungs hatten in diesem Alter bereits eine Freundin. Und man konnte keinem ansehen, ob er nicht vielleicht schwul war. Auf jeden Fall ist mir in der ganzen Zeit niemand aufgefallen. Es war inzwischen meine Überlegung, wenn jemand schwul ist, dann hält vielleicht die Freundschaft länger, weil der keine Mädels kennenlernen will. Eine Freundschaft war für micn immer eines der wichtigsten Dinge in meinem Leben.
Ich dachte während dieser Zeit schon über meine Gefühle nach. Ich glaute, bisexuell zu sein, weil mir Jungs so gefielen. Auf dem Weg zu einem Outing kommt wohl jeder mal an diesen Punkt.
Ich baute eine Freundschaft zu einem Jungen auf, der mir gut gefiel. Robert
- er war nicht hübsch, aber eben sympatisch. Vom Wesen eher chaotisch, aber ein Typ, der einen verschmitzt mit so lieben Dackelaugen anschauen konnte dass man einfach nicht anders konnte, als lachen. Ich hatte ihn zur damaligen Zeit lieb und wir waren auch oft zusammen. Natürlich wusste er nicht, was in mir vorgeht. ER war der erste, dem ich es hätte sagen können, weil ich ein großes Vertrauen zu ihm hatte. Das war im Jahre 1980. Während eines Gespräches war ich drauf und dran, ihm zu sagen, dass ich vermutete, schwul zu sein. Irgendetwas kam aber dazwischen und ich verwarf den Gedanken.
Als seine Ausbildung beendet war, verloren wir uns aus den Augen. Ich habe später nochmal versucht, Kontakt aufzubauen, wir trafen uns einmal, aber
irgendwie war das Gefühl der Zusammengehörigkeit nicht mehr da - leider.
Norbert:
Afrolook - schlaksig schlank, Jeans, 18 Jahre alt - so stand er vor mir. Mir kribbelte es ihm Magen, als ich ihn nur sah. Oh Mann, diese Haare!! Vorher kam er mit seinem Auto angefahren in einem Stil, der mir Angst machte, ja, ich hatte Angst um IHN. Ich nahm mir vor, ihm in einer fürsorglichen Art zu verstehen geben, dass er mit diesem Fahrstil bald einen Unfall bauen würde. Mit 3 oder 4 Autos machten wir uns dann auf den Weg, ich weiß heute nicht mehr, wohin. In einer LInkskurve passierte es dann. Er kam mit seinem Auto ins Schleudern und fuhr einen Telegrafenmasten um. Ich war unheimlich froh, dass ihm nichts passiert war. Das Auto war ein wirtschaftlicher Totalschaden. Wir sind sehr Freunde geworden naja, er war wohl der erste, in den ich richtig verliebt war. Leider kam er bald mit einer Freundin daher, mit der er dann auch zusammen wohnte. Er ist heute noch mein bester Freund, den ich in der Nähe habe. Er war der erste Mensch, dem ich im Jahr 2001 freiwillig von meinen Gefühlen erzählte. Er hat reagiert, wie ich es von einem Freund erwartet habe, er blieb mein Freund. Ich habe sogar den Eindruck, dass sich unsere Freundschaft seitdem noch etwas vertieft hat. Dafür sage ich ihm von ganzem Herzen
Danke
Freundschaft
Ich bin immer etwas in der Zwickmühle, wenn ich sage: “mein Freund” Was ist nun “mein” Freund. Wenn das eine Frau sagt, dann ist das klar -
damit meint man zwangsläufig den Liebhaber Wenn es ein Mann sagt, klingt es schwul.
Eine Freundschaft ist für mich ein sehr geistig-inniges Verhältnis zu einem Menschen, den man gern mag. Freunde sind füreinander da und helfen
sich, egal in welchen Situationen. Man weiss, dass man sich auf Freunde verlassen kann und man hat grundsätzlich ein grenzenloses Vertrauen zueinander. Freunde sind manchmal wichtiger als der eigene Partner, weil
man mit ihnen über alles auch dann reden kann,
wenn man mit diesem Probleme hat. Natürlich kann auch der Partner ein Freund sein. Freunde sind auch kritisch und dürfen Kritik anbringen, auch wenns dem anderen nicht passt. Die Freundschaft leidet darunter nicht.
Ich stelle also an einen Freund sehr hohe Ansprüche. Alles andere sind Bekannte, Kumpel, Spezeln, mit denen man natürlich auch gut auskommt, aber
es sind eben keine Freunde.
Beziehung
1989 lernte ich dann meine große Liebe kennen: Hedwig. Mit ihren großen braunen Augen und ihrem offenen Wesen war sie mir sofort
sympatisch. Ich war nicht die Ursache der Trennung von ihrem Mann, das hatte sich vorher schon entschieden und so wollte es das Schicksal, dass wir ein Paar wurden.
Nicht nur ein Paar, sondern wir sind zusammen mit ihren zwei Söhnen eine Familie, die nun seit fast 13 Jahren zusammenhält und
Hohen und Tiefen meistert. Wir blicken gerne auf das zurück, was wir zusammen geschafft haben und haben wohl nie mit einer solchen Krise gerechnet, die unser Zusammenleben bis in die Grundmauern erschütterte.
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