|
“Du hast mich belogen und betrogen, ich bin sehr traurig und enttäuscht!! Ich habe in der History des ICQ alles gelesen!”
Dieser Satz wird mir wohl ewig in Erinnerung bleiben. Er steht auf dem Display meines Laptops, den ich mitgenommen habe, um während meiner
Nebenbeschäftigung ein wenig im Internet surfen zu können. Beim Öffnen der Internetverbindung startet mein Programm ICQ und
diese erste Nachricht, die erscheint, ist von meiner Freundin, mit der ich seit fast 13 Jahren zusammen wohne.
Beim Anblick dieser Nachricht gefriert mir das Blut in den Adern, mir wrd schlecht. Ich weiss auf einmal nicht mehr, was um mich herum passierte.
Die Freude auf das Internet vergeht auf einen Schlag, ich räume den Rechner weg. Ich kann keinen klaren Gedanken mehr fassen - Blitze schwirren duch meinen Kopf:
Was passiert jetzt? Jetzt ist alles aus !!
Ich möchte nie wieder nach Hause, ich will niemanden sehen, Tränenbäche fließen - hoffentlich kommt jetzt niemand der etwas von mir braucht...-
Mein Dienst ist dann irgendwann zu Ende. Wie ich das geschafft habe, weiß ich heute nicht mehr. Aber all die vielen Gedanken, die mir in dieser
Zeit durch den Kopf gehen, kann ich einfach nicht widergeben. Ich MUSS nach Hause, hier kann ich nicht bleiben. Also fahre ich, ohne zu wissen, was ich ihr sagen soll. Eine Ausrede gibt es nicht.
Sie sitzt am Tisch vor ihren Schulunterlagen, weil sie am nächsten Tag ein Klausur schreiben muss. Man sieht, dass sie geweint hat, sie sitzt wie
versteinert da. Lernen? Wohl kaum..... Mir sitzt ein dicker Kloß im Hals, an dem ich zu ersticken drohe, ich fange an zu weinen. Ich mache den Versuch, etwas zu sagen, aber ich bringe nichts richtiges raus. Wir
einigen uns darauf, dass wir zusammen reden müssen, aber heute muss sie versuchen, noch ein paar Sachen zu lernen, die sie morgen für die Klausur braucht, da diese Klausuren zur Abschlussprüfung zählen.
Etwas Unfassbares war geschehen, vor dem ich in der letzen Zeit immer mehr Angst hatte. Ich musste Ihr erklären, dass ich in den letzten Monaten -
ja, Jahren - ein Veränderung durchgemacht hatte und für nette junge Männer mehr Gefühle empfinde, als für Sie, mit einem Satz:
Ich bin schwul !
Ich heiße Wolfgang, bin heute 50 Jahre alt, erledige meine Arbeit als Beamter im Staatsdienst
und lebe mit meiner Familie in Bayern, nördlich von München. Meine Familie, das sind meine Freundin und ihre zwei 16 und 18 Jahre alten Söhne. Seit fast 13 Jahren leben wir zusammen und haben in dieser Zeit viele Höhen und Tiefs überwunden. Wir haben uns in dieser Zeit immer verstanden und geliebt, es gab selten ein böses Wort. Ich wurde von den Kindern als Vater anerkannt, und wir bauten uns unser kleines Reich auf, in dem wir leben. Wir haben uns eine nette Wohnung gesucht, nachdem die Kinder größer wurden und ihre eigenen Zimmer haben sollten. Kurzum, wir sind eine richtige Familie.
weiter
|